Kreativität

Wie können Führungskräfte kreatives Potenzial gezielt fördern und fordern?

Thomas Lipinski kommt mit dieser Thematik in vielen Projekten in Berührung und spricht im Interview über seine Erfahrungen.

 

Kreativität

Kreativität ist kein Zufall - Chancen erzeugen, erkennen und verfolgen
Interview mit Thomas Lipinski

Der aktuelle Zeitgeist ist geprägt von einer immer höher werdenden Komplexität und Dynamik, welche sich zunehmend in den heutigen Anforderungen an uns manifestieren. So stehen wir häufig „von heute auf morgen“ vor neuen Herausforderungen und unbekannten Situationen. Hierbei kommt der Kreativität eine entscheidende Rolle zu: Sie erlaubt es, unser Denken in neue Kontexte zu setzen.

Daher wird Kreativität heute nicht mehr nur mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Visionärinnen und Visionären assoziiert, sondern hat sich zu einer wertvollen Ressource für Unternehmen entwickelt. So ist es diese Eigenschaft, welche den Fortschritt vorantreibt und – gerade in Zeiten der Globalisierung – maßgeblich für das Bestehen und den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich ist. Nur wer kreative und innovative Ideen hervorbringt, kann sich gegenüber der zunehmenden Konkurrenz aus dem In- und Ausland behaupten.

Doch wie können Führungskräfte dieses kreative Potenzial gezielt fördern und fordern?

Thomas Lipinski kommt mit dieser Thematik in vielen Projekten in Berührung und spricht im Interview über seine Erfahrungen.

 

1. Welche Rolle spielen Kreativität und Innovation bei Ihrer täglichen Arbeit und bei der Beratung bzw. der Begleitung von Unternehmen?

Kreativität ist Problemlösungskompetenz! Unsere Kunden erwarten bei fast allen Herausforderungen, bei denen wir sie unterstützen dürfen, neue Ansätze und Perspektiven. Dies wird durch Kreativitätstechniken erreicht, die zum Setting von Führungskräften gehören. Mit linearem und eindimensionalem Denken sind uns Grenzen gesetzt. Vernetzung öffnet den Blickwinkel und wir fangen an, zu kombinieren.

 

2. Wie schätzen Sie die heutige und künftige wirtschaftliche Bedeutung von Kreativität und Innovation im Dienstleistungssektor ein?

Der Bedarf an Kreativität ist hoch. Wir leben in einer Zeit, in der die Innovationszyklen immer kürzer werden. Das Umfeld hat sich radikal gewandelt und herkömmliche Führungsmethoden stoßen an ihre Grenzen. Wir sind in der VUCA-Welt angekommen. Kreativität ist zweifelsfrei ein Erfolgsfaktor und ist eine Voraussetzung für Innovationskraft. Doch eine Garantie für wirtschaftlichem Erfolg liefert Kreativität nicht. Ideen zu entwickeln, ist die eine Disziplin; die Ideen umzusetzen, auch gegen Widerstände, ist die andere. Das nennen wir Umsetzungskompetenz.

 

3. Welche persönlichen Voraussetzungen eines Menschen sind aus Ihrer Erfahrung wichtig bzw. notwendig, um Kreativität zu erfahren?

Kreativität scheitert nicht an der Fähigkeit. Wichtigste Voraussetzung ist die innere Haltung; also die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Kreativ zu sein, ist auch anstrengend. Die Bereitschaft, Menschen kennenzulernen, die anders sind als wir, ist nicht weit verbreitet. Gleich und Gleich gesellt sich gern. Dinge anders machen und wieder auf eine Entdeckungsreise zu gehen, erwecken das, was wir als Kind täglich erlebten: Begeisterungsstürme.

 

4. Welcher Führungsstil fördert Ihrer Meinung nach kreatives und innovatives Denken/Handeln?

Autoritärer Führungsstil verhindert Kreativität, wohingegen ein kooperativer Führungsstil für innovatives Handeln alternativlos ist. Natürlich existieren dabei einige Grauzonen. Und ganz ohne Spielregeln funktioniert es nicht. Führungskräfte oder Vorgesetzte, die Kreativität grundsätzlich unterbinden, stehen mittendrin in einem Rollenkonflikt und werden den Erwartungen der Unternehmensführung nicht mehr gerecht.

 

5. Mit welchen konkreten Maßnahmen kann die Führungskraft Kreativität und Innovation fördern?

Zum Beispiel mit der Einführung von agilen Methoden. Die Wasserfallmethoden bringen uns nicht weiter, wenn wir uns schnell und flexibel den Anforderungen stellen sollen. Die Lust auf Gestaltung und das Experimentieren zu wecken, ohne den Blick auf die operative Verantwortung zu verlieren, ist der Königsweg. Führungskräfte wollen das Potenzial der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen. Einmal im Monat alle im Unternehmen zum Ideenpitch aufrufen – das würde viel bewirken.

 

6. Welchen Einfluss hat das Verhalten von Führungskräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern insgesamt auf die Innovationskraft eines Unternehmens?

Führungskräfte führen mit Kraft. Sie sind Vorbild – oder auch nicht. Führungskräfte sind Multiplikatoren und Botschafter für eine innovative Kultur. Voraussetzung für Innovation ist Kreativität. Ich erlebe das oft in unseren Kreativworkshops: Wenn wir Menschen den Raum für Kreativität geben, entwickelt sich dabei immer etwas Neues. Oft sind es auch die ruhigen Personen, die dann aus sich herauskommen und einen guten Beitrag für die Lösungsfindung leisten. Führungskräfte müssen die Grundlagen für diesen Freiraum geben, dann bekommen sie auch immer etwas zurück.

 

7. Wie können wir kreatives Denken und innovatives Handeln in alltägliche Prozesse integrieren?

Zunächst ist es erforderlich, konditionierte Gewohnheiten abzulegen. Dass Prozesse hinterfragt werden, ist eine wichtige Voraussetzung, aber nicht überall gewünscht. Hier spielt die Kommunikation zwischen den Teams und der Führungskraft eine entscheidende Rolle. Ein zweiter wesentlicher Punkt ist, dass Prozesse heute noch stärker aus Kundensicht analysiert werden müssen. Der Fachbegriff dafür ist UX – User Experience. Nur wenn wir uns in die Lage unserer Kunden versetzen, können wir genau die Produkte liefern und Services leisten, die unseren Kunden helfen und deren Bedarf erfüllen.

 

Dieses Interview entstand vor dem Hintergrund des Vortrages von Thomas Lipinski:

Kreativität ist kein Zufall - Chancen erzeugen, erkennen und verfolgen